Der Thymian oder Quendel (Serpyllum, Lippenblütler)

quendel2Volksnamen: Bergthymian, Feldpolle, Feldthymian, Geismajoran, Kudelkraut, Quandl, Rauschkraut, Wilde Meron, Wilder Zimt, Frauenkraut, Kanzelkraut, Liebfrauenbettstroh, Kinderkraut, Hühnerköl, Künlein, Thymus pulegioides.

Beschreibung der Pflanze:
Lippenblütler (Labiatae), bis 50 cm hoher Halbstrauch mit schwach verholzenden Achsen und aufrechten bis liegenden, runden oder vierkantigen, verschieden behaarten Stängeln; Blätter kurz gestielt, linear bis eiförmig, oft behaart; Blüten rosarot, in kugeligen Köpfchen oder kurzen Ähren endständig stehend. Blütezeit ist Mai bis August.
Lebensdauer: Mehrjährig
Vorkommen: Europa und Asien, in Amerika eingebürgert; trockene steinige Orte, trockene sonnige Waldwiesen.
Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, hauptsächlich Carvacrol und Thymol, Gerb- und Bitterstoffe

Anwendung:
Tonicum mit magenstärkenden, expectorierenden und nervenstärkenden Eigenschaften.
Als Hustenmittel auswurffördernd, als Magenmittel blähungs- und harntreibend;
äußerlich: bei Rheuma und Verstauchungen, in Gurgelwässern, zur Herstellung von Kräuterlikören.
Anwendungsart: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse sowie andere Zubereitungen zum Einnehmen.
Sammelgut: Zur Blütezeit gesammelte und getrocknete oberirdische Sprossen von Thymus serpyllum.
Dosierung:
Tagesdosis: 4-6g Droge, Zubereitungen entsprechend.

Verwendung in der Küche:
Die Blätter und jungen Triebe als würzende Beigabe in Salaten, Beilage zu Gemüse-, Fleisch- und Fischgerichten.
Thymian ist ein ausgezeichnetes Mittel zum Verfeinern von Wild, zum Aromatisieren von Wurst, Essig, Cocktails und Tee. Salzgurken verleiht er einen besonders guten Geschmack. Speisen mit Thymian regen den Appetit an und verbessern die Verdauung.

Zauberkraut und Magie:
Schutz vor Geistern:Im Volksglauben spielte das Kraut eine große Rolle bei der Abwehr des Bösen. Ein Kreuz aus geweihtem Kanzelkraut in Stall, Scheune oder Wohnhaus aufgehängt schützte vor Blitzschlag und sonstigem Unheil.
Um die Milch vor schnellem Gerinnen zu bewahren, empfahl es sich, Quendel zusammen mit Teufelsdreck unter der Türschwelle zu vergraben.
Eine stolze Bauerstochter, der bisher kein Freier gut genug war, wurde von einem fremden vornehmen Burschen umworben, der ihr alles Erdenkliche versprach. Den Eltern kamen die Verführungskünste diese Burschen verdächtig vor. So rieten sie der Tochter, sicherheitshalber ein Sträußlein Quendel und Widritat (Widertonmoos)vor das Fenster zu hängen. Der sich des Nachts wieder nähernde Freier sah schon von weitem die Kräuter, blieb wie gebannt stehen, rief in ohnmächtiger Wut „Kundelkrakut und Widritat
hab´n mi um mei Madl braht!“
und fuhr flammend durch die Luft davon.
Händler ließen einen Stengel Quendel mit der Rechten dreimal um ihren Kopf und sprachen dabei: „Quandel mach mir gut Handel.“

Geschichtliches:
Der Quendel oder Thymian ist eine seit der Antike bekannte Heil- und Zauberpflanze. Der Römer Plinius Secundus (ca. 70 n.Chr.) berichtet, der Theriak (ein aus vermutlich 77 Zutaten bestehendes Allheilmittel) des Syrischen Königs Antiochus des Großen habe Quendel enthalten. Das Rezept war in einem Felsblock vor dem Äskulaptempel auf der Insel Kos eingemeißelt.
Im klassischen Altertum opferten Frauen in den Tempeln der Liebesgöttin Aphrodite den Quendel zusammen mit Rosen.
Reich Athener salbten Knie und Nacken mit Quendel.
Die nordischen Völker weihten den Quendel ihrer Liebesgöttin Freya.
Nach der Christianisierung wechselte die Pflanze in ein Marienkraut, darüber berichten viele fromme Legenden.
Dass der Quendel schon lange als Frauenkraut angesehen wurde zeigt die mittelalterliche Namensgebung:
„unser frawen Bettstroe“ (bei Mathiolus), Kinderkraut, das dänische „Mutter Maries sengehalm“, das englische „Our ladies Bedstaw“,
und der Name im Slawischen: „Seelchen der Mutter“.
Nach einer flämischen Legende lagerte Maria das Jesuskind auf Feldthymian. Maria habe bei ihrer Vermählung mit Josef
einen Kranz von Thymian auf dem Haupt getragen. Daher schrieb man der Pflanze, zusammen mit anderen Kräutern als Kranz gebunden und am Antlaßtag (Fronleichnam) in der Kirche geweiht, besondere Heil- und Schutzkräfte zu (daher Kanzelkraut).

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Wilfried Gödert
Physician at Tocan Germany
Arzt mit Zusatzqualifikation Medizininformatik. Verantwortlich für die Qualitätskontrolle der chirurgischen Instrumente im Tocan.de Shop.
30 Jahre Erfahrung in der Zweckentfremdung.
Die OpenWRT VPN Router und Projekte um diese Router und das sinnvolle Zubehör werden von Ihm betreut.
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